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2026: Was auf Finance- und Procurement-Abteilungen in SAP-Unternehmen wirklich zukommt

Themen: SAP | KI und Machine Learning | S/4HANA | Cloud | E-Invoicing


Der Jahreswechsel ist traditionell der Moment, an dem man aufsieht und versucht zu erkennen, was hinter dem Horizont wartet. Auch wir bei xSuite wagen einen Blick in die sprichwörtliche Glaskugel – und fragen uns: Welche Trends werden 2026 Finance- und Procurement-Abteilungen in SAP-Anwenderunternehmen prägen? Welche Themen entwickeln echte Zugkraft? Und welche bleiben, trotz viel Lärm, eher zähe Dauerläufer? 

Die kurze Antwort: Es wird ein Jahr, in dem Technologie pragmatischer wird, regulatorische Anforderungen – zumindest in Deutschland – dominieren und ERP-Transformation weiterhin weniger mit „Big Bang“ und mehr mit Ausdauer zu tun hat. 

1. KI wird 2026 zum selbstverständlichen Arbeitswerkzeug 

Dass künstliche Intelligenz auch 2026 ein dominierendes Thema bleibt, erstaunt kaum. Überraschend ist vielmehr, wie rasant sich der Charakter von KI verändert hat. Was vor zwei Jahren noch als abstraktes Software-Thema wahrgenommen wurde, ist durch Tools wie ChatGPT zu einem Alltagswerkzeug geworden. Die Nutzung von KI ist nicht mehr das Privileg von Data Scientists oder Software Engineers. KI wurde im Wortsinn demokratisiert. 

Der private Umgang mit Künstlicher Intelligenz hat einen direkten Business-Effekt: Wer in der Freizeit selbstverständlich Prompts formuliert oder Zusammenfassungen generieren lässt, fragt sich im Berufsalltag schneller, warum es gewisse Funktionen nicht längst auch dort gibt. Die Erwartungshaltung steigt – und mit ihr die Bereitschaft, neue Anwendungsfälle auszuprobieren. 

Ein Beispiel: Vor kurzem fragte mich ein Kollege aus dem Vertrieb nach der Aufnahme eines Webinars – und erwähnte nebenbei, dass es doch ideal wäre, wenn eine interne KI-Suche sämtliche relevanten Marketing-Ressourcen automatisch priorisieren könnte: „Zeig mir, was für diesen Kundenfall wirklich zählt.“ Genau solche Situationen treiben neue Use Cases oft schneller als strategische Programme. 

2. Unternehmen starten mit KI dort, wo sie schon sind – in bestehenden Lösungen 

Ein interessantes Muster sehen wir bereits seit 2025: Viele Unternehmen starten nicht mit großen generischen KI-Projekten. Stattdessen nutzen sie zuerst KI-Funktionen, welche in die ohnehin bereits verwendeten Lösungen integriert sind. Das ist ein deutlich „weicherer“ Einstieg als ein eigenständiges Data-Science-Projekt – und ein sehr pragmatischer. 

Der Grund ist einfach: Dieselbe Software, derselbe Anbieter, dieselben Compliance-Rahmenbedingungen. Die KI wird dort eingesetzt, wo der Anbieter den Prozess kennt und echten Mehrwert erzeugen kann. Weniger Risiko, weniger Aufwand, höhere Nutzenwahrscheinlichkeit. Ein vernünftiger Ansatz in einer Zeit, in der Ressourcen knapp und Erwartungen hoch sind. 

3. Agentic AI wird der dominierende KI-Treiber für Finance & Procurement 

Wenn es einen KI-Trend gibt, der 2026 die Agenda dominieren wird, dann ist es Agentic AI. Also KI-Agenten, die Prozesse nicht nur analysieren, sondern aktiv steuern und Arbeitsschritte eigenständig ausführen. 

Agentic AI kombiniert zwei Stränge, die früher klar getrennt waren: KI für Entscheidung und Kontext – und Automatisierung für die Ausführung. Die Vorstellung, dass KI als Wundermittel alles allein erledigt, rückt in den Hintergrund. Stattdessen setzt sich ein pragmatischer Ansatz durch: Kombination statt Dogma. KI erkennt, priorisiert oder generiert – und programmierte Logik führt aus, was KI vorbereitet hat. 

Das Ergebnis sind Automatisierungsgrade, die deutlich über das hinausgehen, was bisher möglich war. Gerade im SAP-Umfeld profitieren Prozesse wie Beschaffung, Stammdatenpflege oder Rechnungsverarbeitung enorm von solchen hybriden KI-Ansätzen. 

4. Die E-Rechnungspflicht wird 2026 zum dominierenden Finance-Thema in Deutschland 

Ein Thema wird 2026 bei deutschen SAP-Anwenderunternehmen omnipräsent: die verpflichtende Einführung elektronischer Rechnungen. Eine von uns im Oktober 2025 durchgeführte Umfrage zeigte ein ernüchterndes Bild: Von 174 Antwortenden konnten lediglich 24 Prozent zu dem Zeitpunkt bereits E-Rechnungen versenden. Das wird sich 2026 drastisch ändern müssen. 

Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen in Deutschland im B2B E-Rechnungen versenden. Es gibt eine erweiterte Frist bis 1. Januar 2028, diese gilt aber nur für kleine Unternehmen mit maximal 800.000 Euro Jahresumsatz. Das trifft den typischen SAP-Anwender in der Regel nicht. Damit wird der Versand von E-Rechnungen im kommenden Jahr für viele SAP-Anwenderunternehmen ein Pflichtprojekt. 

Doch die Ausgangsseite ist nur die halbe Wahrheit. Auch die Eingangsseite sollten Unternehmen sich genau ansehen. Das überarbeitete BMF-Schreiben vom Oktober 2025 verlagert einen erheblichen Teil der Verantwortung auf die Empfänger. Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie ausschließlich EN-16931-konforme Rechnungen annehmen und verarbeiten. Wer das nicht tut, riskiert den Verlust des Vorsteuerabzugs – ein Risiko, das sich kein Unternehmen leisten kann. 

Entsprechend lautet eine zentrale Aufgabe für 2026: Funktioniert der Prozess zur Annahme von E-Rechnungen wirklich einwandfrei? Und: Ist er skalierbar? Denn mit der verpflichtenden Einführung wird das Volumen eingehender E-Rechnungen 2026 deutlich steigen. 

5. Die S/4HANA-Migration bleibt 2026 ein Marathon – kein Sprint 

Und dann ist da natürlich der Dauerbrenner: die Migration von SAP ECC auf SAP S/4HANA. Fast elf Jahre nach dem Launch der neuen Produktgeneration befindet sich SAP in einer kommunikativen Dauer-Optimismus-Phase. In Pressemitteilungen werden Cloud-Backlogs und Neuabschlüsse gefeiert, aber selten wird konkretisiert, wie viele Bestandskunden wirklich bereits migriert haben – oder eben auch nicht. 

Die letzten belastbaren Analystenzahlen, die uns vorliegen, stammen von Ende 2024. Damals waren erst rund 39 Prozent der ECC-Kunden entweder schon auf S/4HANA migriert oder hatten eine Lizenzvereinbarung unterschrieben. Seitdem dürfte die Zahl gestiegen sein – aber sicher nicht exponentiell. Dass SAP selbst verlängerte ECC-Optionen anbietet, spricht für sich. Realität ist: Die Migration bleibt ein Marathon, kein Sprint. Und auch 2026 wird sich daran nichts ändern. Die Ressourcenlage ist unverändert eng – intern wie extern – und die weltweite Anzahl von ECC-Installationen lässt sich schlicht nicht in kurzer Zeit migrieren. 

Ein „S/4HANA-Jahr 2026“ wird es daher nicht geben. Es wird ein weiteres Jahr des stetigen, aber nicht spektakulären Fortschritts. 

6. Die SAP Public Cloud wächst – langsam, aber sichtbar 

Neben dem großen S/4HANA-Thema beobachten wir bei xSuite jedoch einen deutlichen Trend: Die Public-Cloud-Variante von S/4HANA gewinnt langsam an Zuspruch. 2024 haben wir die ersten Kunden mit unserer Lösung auf der SAP BTP produktiv genommen – primär für SAP S/4HANA Cloud, Public Edition (bzw. SAP Cloud ERP). Die Nachfrage nach dieser Lösung hat sich im zweiten Halbjahr 2025 spürbar verstärkt. 

Noch immer verkaufen wir mehr Lösungen für SAP S/4HANA in der Private Cloud und On-Premises – aber das Public-Cloud-Pflänzchen wächst. Nicht explosionsartig, aber erkennbar. 

Fazit: 2026 wird das Jahr der pragmatischen Transformation 

Finance- und Procurement-Abteilungen in SAP-Anwenderunternehmen stehen 2026 vor drei großen Bewegungslinien: 

  • Intelligente KI-Agenten werden Prozesse stärker automatisieren, als es reine KI oder reine RPA je konnten. 
  • Die E-Rechnungspflicht zwingt Unternehmen, ausgehend wie eingehend nachzurüsten – und das sofort. 
  • S/4HANA entwickelt sich weiter, aber ohne große Wellenbewegung. Die Public Cloud gewinnt Fahrt, bleibt aber weit entfernt vom Massenphänomen. 

Kurz gesagt: 2026 wird kein Jahr spektakulärer Umbrüche, sondern eines entschlossener Schritte nach vorn. Technologien werden greifbar, Automatisierung wird robuster, und KI wird endlich so eingesetzt, dass sie spürbare Wirkung entfaltet. 

Autor

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Dina Ziems

Dina Ziems ist seit mehr als 10 Jahren in der B2B-Softwarebranche zu Hause. Bei xSuite verantwortet sie das Group-Marketing in Ahrensburg. Thematisch befasst sie sich im Schwerpunkt mit SAP-integrierten Geschäftsprozessen sowie dem zukunftsweisenden E-Invoicing. Den Weg in die Cloud hat sie dabei schon längst gefunden. Seit Februar 2022 ist Dina außerdem Vorsitzende des Bitkom-Arbeitskreises Digital Office Services & Cloud.

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